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Training und Technik

Neben dem Aspekt der körperlichen Fitness verfolgte der Judobegründer Jigoro Kano einen pädagogischen Ansatz zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwei wesentliche Grundprinzipien, zum einen das „gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen“, zum andern der „bestmöglichen Einsatz von Körper und Geist“ liegen dabei der Judophilosophie zu Grunde. Beide Prinzipien lassen sich natürlich wunderbar auch außerhalb des Dojo, z.B. in der Schule, im Berufsleben, kurzum im Umgang mit Anderen, anwenden.

Das moralische Prinzip (Ji Ta Kyo Ei) hebt Judo über den einfachen Kampfsport hinaus. Judo wird zum Erziehungssystem. Übersetzt bedeutet Ji Ta Kyo Ei "Gegenseitige Hilfe für wechselseitigen Fortschritt und beiderseitiges Wohlergehen". Kano stellt dabei die Grundeinstellung und die geistige Haltung, mit der man Judo lernen und ausüben soll, heraus. Im Judo ist der Partner nicht nur "Übungsobjekt". Vielmehr wird erwartet, dass man für seinen Partner Verantwortung entwickeln muss und für dessen Fortschritt in technischer und persönlicher Hinsicht man genauso arbeiten muss, wie für den eigenen. Judo zu erlernen bedeutet freiwillig mit dem Partner zu trainieren - ohne dies ist ein Judo-Studium nicht möglich. Ji Ta Kyo Ei charakterisiert Do, den Weg, das Prinzip, den Grundsatz. Es bedeutet die Übertragung der Werte des Judo auf den eigenen Lebensweg.

Beim Training erkennt man Ji Ta Kyo Ei unter anderem an den folgenden Aspekten:

  • Alle Judoka trainieren miteinander und kein Partner wird zum Üben abgelehnt.
  • Judoka nehmen Rücksicht auf Alter, Geschlecht und körperliche/technische Entwicklung des Partners.
  • Tori übt die Kontrolle über die Fallübung von Uke aus.
  • Tori beendet seine Techniken sofort, wenn Uke aufgibt (z.B. bei Würge- oder Hebeltechniken).
  • Judoka sind bereit, für ihr Handeln und für die Gruppe Verantwortung zu übernehmen.

Das technische Prinzip (Sei Ryoku Zen Yo) kann mit "Bester Einsatz der vorhandenen Kräfte" umschrieben werden. Es beschreibt, wie Judotechniken ausgeführt werden sollen. Nicht die Anwendung schierer Kraft bringt den Judoka zum Ziel, sondern die Anwendung der richtigen Techniken unter Ausnutzung der Kraft des Gegners. Kano charakterisiert den Begriff des Ju ("sanft, nachgeben, geschmeidig") mit dem technischen Prinzip. Sei Ryoku Zen Yo verkörpert die Idee des Siegens durch Nachgeben, sowohl physisch wie auch psychisch.

In der sportlichen Anwendung zeigt sich Sei Ryoku Zen Yo unter anderem durch folgende Aspekte:

  • Ausnutzen der Bewegung des Gegners und des eigenen Schwungs.
  • Das eigene Gewicht mehr einsetzen als die eigene Kraft.
  • Auch bei aggressiven Handlungen des Gegners kühlen Kopf bewahren.
  • Die eigenen Stärken gegen die Schwächen des Gegners nutzen.